Das deutsche Unternehmen INSTATIQ, ein Spin-off der Putzmeister-Gruppe, hat den INSTATIQ P1 (Progress One) vorgestellt – einen mobilen robotergestützten 3D-Betondrucker für das Bauwesen. Im Gegensatz zu herkömmlichen 3D-Druckern für kleinere Bauprojekte ist der P1 für den direkten Einsatz auf der Baustelle ausgelegt und kann tragende Betonwände ohne herkömmliche Schalungen herstellen.


So funktioniert der INSTATIQ P1

Das Prinzip ähnelt dem herkömmlichen 3D-Druck, nur dass anstelle von Kunststoff Beton verwendet wird.

Der Drucker erhält ein digitales Gebäudemodell, woraufhin der Roboterarm den Beton Schicht für Schicht aufträgt und so die Wand direkt auf der Baustelle erstellt.

Die Besonderheit des P1 besteht darin, dass das System vollständige monolithische tragende Wände druckt und nicht lediglich eine temporäre Schalung. Für den Druck wird Beton aus einem herkömmlichen Fahrmischer verwendet, der an den Druckprozess angepasst wurde.


Reichweite von bis zu 26 Metern

Der INSTATIQ P1 ist mit einem automatisch gesteuerten 26 Meter langen Roboterarm ausgestattet.

Damit kann der Drucker einen beträchtlichen Teil der Baustelle abdecken. Nach Abschluss eines Abschnitts kann die Maschine versetzt werden und anschließend den nächsten Bereich bedrucken.

Gerade die Mobilität gehört zu den wichtigsten Merkmalen des Systems: Für ein großes Gebäude muss der Drucker nicht die Größe des gesamten Gebäudes haben.

Druckgeschwindigkeit

Während eines Projekts in Deutschland gab ZÜBLIN eine Druckgeschwindigkeit von bis zu 10 Zentimetern pro Sekunde an. Die maximale Leistung lag bei etwa 2,5 m³ Beton pro Stunde.

Die tatsächliche Baugeschwindigkeit hängt jedoch vom Projekt, der Betonmischung, der Geometrie der Wände und weiteren Bauarbeiten ab.


Erster größerer Praxiseinsatz

Besonders interessant ist der P1 nicht nur wegen des Demonstrationsprototyps, sondern vor allem aufgrund realer Bauprojekte.

Im Juli 2025 berichtete ZÜBLIN über den Einsatz des INSTATIQ P1 beim Bau von drei Mehrfamilienhäusern in Metzingen-Neugreuth, Deutschland.

Bei einem der viergeschossigen Gebäude wurde mit dem Drucker das oberste Geschoss errichtet. Die Höhe der gedruckten Wände erreichte 3 Meter, während ihre Dicke etwa 16,5–19 cm betrug.

Laut ZÜBLIN konnten die tragenden Wände des Geschosses in etwa vier Tagen gedruckt werden.

Artikel ergänzt: 2026 erreicht die Technologie eine neue Dimension

Die interessanteste Weiterentwicklung in der Geschichte des P1 erfolgte bereits 2026.

Am 30. Juni 2026 berichteten INSTATIQ und ZÜBLIN/STRABAG über den Bau eines Supermarkts in Deutschland unter Einsatz des mobilen 3D-Betondrucks.

Bei dem Projekt in Neubulach werden zwei mobile INSTATIQ P1 eingesetzt, die parallel in verschiedenen Bauphasen arbeiten.

Der Umfang des Projekts ist beeindruckend:
- mehr als 1300 m² gedruckte Wände;
- rund 292 m³ gedruckter Beton;
- Wandhöhen von bis zu 7 Metern;
- der Druck erfolgte direkt auf der Baustelle;
- zwei P1 wurden parallel in verschiedenen Bauphasen eingesetzt.

Das Projekt wird als weltweit erster vollwertiger Supermarkt bezeichnet, der mithilfe des mobilen 3D-Drucks von Betonwänden errichtet wurde.


Entscheidend ist nicht nur der 3D-Drucker

Bei diesem Projekt ist noch eine weitere Technologie interessant.

Für den Druck wurde ein speziell entwickelter Beton von Heidelberg Materials verwendet, der für den mobilen 3D-Druck optimiert wurde. Darüber hinaus kam der Zement evoZero zum Einsatz, dessen Herstellung mit einer Technologie zur Abscheidung und Speicherung von CO₂ verbunden ist.

Das Projekt verbindet damit gleich zwei Bereiche:
- robotergestütztes Bauen + Verringerung des CO₂-Fußabdrucks von Baustoffen.


Was verändert sich dadurch im Bauwesen?

Der INSTATIQ P1 bedeutet nicht, dass traditionelle Bautechnologien verschwinden werden.

Selbst beim Supermarktprojekt wurde der 3D-Druck mit herkömmlichen Bauelementen kombiniert – beispielsweise mit Säulen und Ringbalken.

Die Technologie ermöglicht jedoch die Automatisierung eines der arbeitsintensivsten Bauabschnitte – der Herstellung von Wänden.

Ein digitales Modell kann direkt in eine physische Konstruktion umgesetzt werden, während der Drucker zwischen verschiedenen Bereichen der Baustelle bewegt werden kann.

Quelle: instatiq.com