Der Hilti Jaibot ist ein teilautonomer Baustellenroboter, der für das automatische Bohren von Löchern – vor allem in Decken – konzipiert wurde. Das Unternehmen Hilti stellte ihn am 28. Oktober 2020 vor und bezeichnete den Jaibot als seinen ersten Roboter für die Baustelle. Seine Aufgabe ist es, einen Großteil der gleichförmigen und körperlich anstrengenden Arbeiten zu übernehmen, die üblicherweise von Bauarbeitern mit einem Bohrhammer über Kopf ausgeführt werden.

Der Jaibot arbeitet nicht eigenständig: Vor Arbeitsbeginn werden digitale BIM-Daten mit den Koordinaten der künftigen Bohrungen in das System geladen. Anschließend steuert ein Arbeiter den Roboter per Fernbedienung über die Baustelle, während sich der Jaibot selbstständig positioniert und die Bohrungen an den vorgegebenen Stellen ausführt. Zur Positionsbestimmung kommt das robotische Tachymetersystem Hilti PLT 300 zum Einsatz.

Nach dem Bohren kann der Roboter eine Markierung anbringen, die angibt, für welche Art von technischer Installation die Öffnung vorgesehen ist. Dies ist besonders hilfreich bei der Montage von Lüftungs-, Klima-, Heizungs- und Elektroanlagen sowie anderen technischen Systemen – also im MEP-Bereich.

Interessant ist, dass der Jaibot nicht einfach nur den Menschen mit dem Bohrhammer ersetzt. Er verknüpft das digitale Bauwerksmodell mit dem physischen Objekt: Koordinaten aus dem BIM-Modell werden direkt in Bohrungen an Decke oder Wand umgesetzt. Dadurch verringern sich der Aufwand für das manuelle Anzeichnen sowie die Notwendigkeit, ständig mit erhobenen Armen zu arbeiten.

Im Jahr 2022 erweiterte Hilti die Fähigkeiten des Roboters. Der Jaibot erhielt die Möglichkeit, mit profilierten Metalldeckenkonstruktionen zu arbeiten, Hindernisse zu erkennen und den Arbeitsbereich anzupassen. Zudem wurde die Möglichkeit geschaffen, automatisch Löcher in vertikale Betonwände zu bohren und zu markieren – in einer Höhe von 1,2 bis 4,8 Metern . Auch das Vakuum-Absaugsystem wurde optimiert.


Hilti gibt an, dass der Jaibot mehr als 1.000 Bohrungen pro Tag ausführen und bei Deckenhöhen von bis zu 5 Metern arbeiten kann. Hierbei handelt es sich um eine Leistungsangabe des Herstellers, die von den jeweiligen Bedingungen auf der Baustelle abhängt.

Technische Daten

Typ: halbautonomer Bauroboter | Einsatzzweck: Bohren und Markieren von Löchern | Steuerung: Fernbedienung | Daten: BIM/digitaler Plan | Positionierung: Hilti PLT 300 | Leistung: über 1000 Löcher/Tag* | Arbeitshöhe: bis zu 5 m* | Wände: 1,2–4,8 m | Staubabsaugung: integriertes Vakuumsystem | Stromversorgung: Akkubetrieb, ohne Netzkabel.

* Nach Angaben von Hilti; die tatsächliche Leistung hängt von den Arbeitsbedingungen ab.

Gewicht und Akku

In den verfügbaren offiziellen Unterlagen gibt Hilti weder das Gewicht des Jaibot noch die Kapazität seines Akkupacks an.

Wird es in Europa verwendet?

Ja. Der Jaibot kommt auf europäischen Baustellen zum Einsatz. Hilti verweist beispielsweise auf ein reales Projekt in einem Stadion in Karlsruhe (Deutschland), bei dem der Roboter für das Bohren einer großen Anzahl von Löchern zur Befestigung von Akustikelementen eingesetzt wurde. Für dieses Projekt wurde der Jaibot inklusive Datenverarbeitung, Schulung und Support bereitgestellt.


EDGE Technologies Friedrichspark — Berlin, Deutschland

Im Jahr 2025 kam der Hilti Jaibot auf der Großbaustelle EDGE Technologies Friedrichspark in Berlin zum Einsatz. Das Bauunternehmen ZÜBLIN nutzte den Roboter, um Bohrungen in die Decken des künftigen Büroprojekts vorzunehmen. Hilti Deutschland veröffentlichte im Jahr 2025 Informationen zu diesem Projekt.


Bauvorhaben in Baumholder , Deutschland

Im März 2025 wurde der erste Einsatz des Jaibot durch die OBG-Gruppe auf einer Baustelle in Baumholder (Rheinland-Pfalz) bekannt.

Innerhalb von fünf Tagen bohrte der Roboter rund 4000 Löcher. Im Anschluss daran kündigte OBG an, den Jaibot auch bei weiteren Projekten des Unternehmens einsetzen zu wollen.

Dies ist wohl eines der anschaulichsten Beispiele für den Artikel: Man kann die konkrete Leistungsfähigkeit des Roboters an einem realen Objekt demonstrieren.


RiS B — Freiburg, Deutschland

Im Juni 2025 kam der Jaibot erstmals auf der Baustelle RiS B in Freiburg zum Einsatz. Eingesetzt wurde der Roboter von der Firma Karl Schies, die für die Gebäudetechnik verantwortlich war.

Eine Lokalzeitung aus Freiburg berichtete, dass der Roboter Bohrarbeiten auf einer Baustelle ausführte, wo ein neues Gebäude mit einem Kostenvolumen von rund 100 Millionen Euro errichtet wurde.


Eastwood Private Hospital — Australien

Es gibt zudem ein belegtes Beispiel für den Einsatz des Jaibot beim Projekt „Eastwood Private Hospital“. Aus den Unterlagen zu den „Innovation & Excellence Awards 2025“ geht hervor, dass das Unternehmen Hindmarsh Plumbing den Jaibot für Deckenmontagearbeiten einsetzte. Der Projektbeschreibung zufolge trug der Roboter dazu bei, den manuellen Arbeitsaufwand zu reduzieren und die Ausführungszeiten zu verkürzen.


Der Hilti Jaibot ist somit weder ein Konzept noch ein experimenteller Prototyp, sondern eine tatsächlich eingesetzte Technologie für das digitale Bauen. Sein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Bauwerkzeugen liegt in der Verknüpfung von BIM, Roboter und automatischem Bohren.

Datum der Einreichung: 28. Oktober 2020.
Hersteller: Hilti.
Quelle: Offizielle Ankündigung des Hilti Jaibot